Vom Todesberg zum Paradies

Zusammenfassung: Laguna de Arenal – La Fortuna – San Ramon – Heredia, San José – Cartago

Bevor ich den Todesberg – den Cerro de la Muerte- unter die Räder nahm fuhr ich um die sehr schöne Laguna de Arenal am Fuße des Vulkanes Arenal. Nach der Schotterpiste, dachte ich es geht einfacher, aber es ist ein einziges Auf und Ab und das mit bösen, scharfen Anstiegen. Mir wurde langsam klar, warum Costa Rica die Schweiz Zentralamerikas genannt wird. Nicht nur wegen den Preisen und der relativen Sauberkeit, sondern auch wegen der Topographie. Costa Rica ist für mich das anstrengendste Land, ich hatte mir allerdings auch eine schwierige Route ausgesucht.

Arenal-Cartago-5Die Landschaft erinnerte mich an das Allgäu oder auch an die Schweiz. Irgendwann tauchte ein Schild „Deutsche Bäckerei“ auf und ich freue mich 18 km auf ein Gespräch und vielleicht ein Brötchen – seit 1,5 Jahren das erste Brötchen – und natürlich eine Pause.

8 weitere Schilder, zunehmender Hunger, auf und ab kam ich endlich in der deutschen Bäckerei in Nuevo Arenal an. Die Preise waren deftig, alles in Dollar, und außer einem Verkaufsgespräch war nix zu machen. Ich habe für einen Kaffee, ein Brötchen und einen Apfelstrudel mein halbes Tagesbudget dagelassen. Etwas frustriert fuhr ich weiter und konnte abends bei einem Tico-Restaurant umsonst zelten. (Ticos werden die Costa Ricaner genannt)

Die Gegend war zwar sehr schön, aber auch sehr touristisch, viele Schilder von Immobilienfirmen, hauptsächlich in Englisch, eine Werbetafel nach der anderen mit touristischen Angeboten. 5-Sterne Spa Hotel, Canopy, Zipline etc., also “nix wie durch”, dachte ich mir.

Nach einem längerem Anstieg und einer Abfahrt übernachtete ich das erste Mal bei der Feuerwehr (Bomberos). Arenal-Cartago-13Viele Tourenradler machen das und im relativ teuren Costa Rica lässt sich so auch einiges an Geld sparen. Und es ist natürlich auch etwas besonderes, Die Feuerwehrleute in San Ramon waren klasse, ich konnte duschen, drinnen schlafen, die Küche benutzen und es gab sogar WiFi. Was will man mehr? Das ist doch 1000-mal besser als so ein blödes 5-Sterne Spa-Resort für 500 Dollar.

Jetzt muss ich mich mal kurz fassen, ich kann ja nicht die ganze Reise zusammenfassen!

Nach einem Kurzbesuch in San Jose, wo ich doch keine Schuhe kaufte (kaufe sie in Panama, dort sind sie auch billiger) gelangte ich nach Cartago. Cartago ist die alte Hauptstadt Costa Ricas, die vor einiger Zeit von einem Erdbeben in Schutt und Asche gelegt wurde. Von hier nahm ich einen Bus zum Vulkan Irazú mit dem giftgrünen Kratersee.Arenal-Cartago-24

Aufstieg zum Cerro de la Muerte

Ich startete erst um 12 Uhr, da es morgens regnete und ich mich so an das Fahren im Trockenen gewöhnt habe. Lange hatte ich keinen richtigen Regen. Nach Verlassen Cartagos ging es schon in den Berg, der Verkehr hielt sich in Grenzen -es war Sonntag und auch sehr wenige Lastwagen unterwegs. Mein Glück hielt nicht lange und schon nach kurzer Zeit wurde es immer nebliger und und der Nebel verwandelte sich in Regen. Die Sicht war sehr schlecht und mehr an Höhe ich gewann, desto kälter wurde es. Irgendwann war es so kalt, dass ich meine langen Handschuhe auspacken musste. Nach einer ausgiebigen Essenspause in Empalme beschloss ich den Tag für heute zu beenden und fragte nach einer Zeltmöglichkeit. Die Polizei bot mir an, dass ich bei ihnen auf dem Grundstück zelten kann. Passt perfekt, ich konnte sogar bei ihnen duschen und hatte nette Unterhaltung mit Gabriel und Daniel, den beiden Polizisten.

Am nächsten Morgen lachte wieder die Sonne. Nach Frühstück und Verabschiedung war die Motivation durch das gute Wetter gleich wesentlich höher. Mal sehen, wo es mich heute hin verschlagen würde. Die dünnere Luft in der Höhe machte sich wieder bemerkbar in flacherem Atem. Die Aussicht war größtenteils bescheiden, da die Interamericana (so heißt die PanAm in Costa Rica) in einer Rinne liegt, die auf beiden Seiten bewachsen ist. Irgendwann erreiche ich den höchsten Punkt auf 3400 Metern, der sich leider nicht durch ein Schild bemerkbar machte. Da mein GPS mir aber die Höhe anzeigte konnte ich sehen, dass ich es geschafft hatte und hoffte auf keinen weiteren Anstieg.Cerro Muerte-Costa-8

Zu allem Überfluss machte es auch noch „Pling“ und meine Vermutung bestätigte sich: Speichenbruch am Hinterrad! Der zweite insgesamt. Ich konnte aber weiterfahren, aber vor der Abfahrt musste ich das unbedingt reparieren. Ich fand einen wunderbaren Zeltlatz. Leider hatte ich nicht genug Wasser zum Kochen dabei und so war ich gezwungen irgendwo in der Zivilisation zu übernachten. Nach wenigen Kilometern bergab erreichte ich das „Georginas“ in Villa Mills, wo man prima essen und Cabinas mieten konnte. Ich durfte umsonst zelten und konnte so das gesparte Geld in Kalorien umsetzen. Hier war es arschkalt und sobald man aufhört sich zu bewegen fängt man an zu frieren. Schnell Zelt aufbauen und ins Restaurant. Leider stand hier die Tür auf und Heizung gab es sowieso nicht. Ich wollte drinnen noch etwas lesen, aber trotz Jacke war ich nicht dick genug angezogen- es waren auch nur acht Grad im Restaurant. Also ab ins Zelt in den warmen Schlafsack. Nachdem meine Hände dann außerhalb des Schlafsackes schnell froren, stellte ich zügig das Lesen ein und zog alle Schnüre des Schlafsackes zu und schlief gegen 20:30 Uhr.

Ja auch in den Tropen kann es kalt sein und der Cerro de la Muerte heißt deshalb so, weil früher viele Händler, die auf dem Weg in die Hauptstadt und schlecht ausgerüstet waren, erfroren sind. Das kann mir nicht passieren und so überlebte ich eine ca. null Grad kalte Nacht und konnte am kommenden Tag erst mal mein Rad reparieren und etwas warten.

Ich ließ es langsam angehen, hatte einen Plausch mit Margarit aus Brühl, einer leidenschaftlichen, enthusiastischen 72-jährigen Tierliebhaberin mit rheinischem Frohsinn und Redefluss, die meine Reise beeinflussen sollte. Von ihr bekomme ich den Tipp von „Bolita“ auf der Peninsula de Osa, die ich sowieso als Ziel hatte.

Eine Gruppe Studenten von einer Uni in New York mit ihrem Prof waren auch zu Gast und ich durfte mir einen Pilz unter dem Mikroskop ansehen, der auf Käfern wächst und an dem sie forschen. Sehr spannend.

Mein Rad war wieder top und fit für die Abfahrt – ich wollte wieder ins Warme, hier oben war es doch auf Dauer zu kalt, besonders wenn der Wind blies.

Von 4300 auf 0 und ein (vorerst) letztes Wiedersehen

Bis ins 40 km entfernte San Isidro ging es nur bergab und endlich boten sich ein paar spektakuläre Aussichten ins Valle Central. Cerro Muerte-Costa-14Eine grandiose Abfahrt. Je tiefer ich kam, desto wärmer wurde es, in einer Stunde erreichte ich San Isidro auf 700 m Höhe. Kohlehydrate auftanken, Gallo Pinto essen und dann in Richtung Pazifik. Sylvie und Hanno waren schon in Dominical und ich freute mich auf ein Wiedersehen.

Unerwartet musste mich über eine heftige Steigung auf über 1000m hocharbeiten, doch dann eine Wahnsinns-Aussicht. Die Sonne ging langsam unter und ich konnte das Meer sehen. Das sind Momente, die sind fast unbeschreiblich.

Zum Sonnenuntergang war ich am Meer, von 3400 Metern auf 0 in einem halben Tag – was ein Kontrast. Und dann traf ich die beiden im Hostel, eine kleine Überraschung, denn ich war einen Tag früher da als verabredet.

Wir verbrachten eine Woche zusammen, die schnell verging. Entspannung, leckeres, selbstgekochtes Essen, Meer, ein missglückter Versuch sich auf das teure Envision Festival einzuschleichen. Wir bestanden den Psychadelic-Warrior Test und dann trennten sich unsere Wege wieder.

Die beiden mussten wieder zurück in Richtung Heimat und mein Ziel war der Süden mit einem letzten Abstecher auf die Peninsula de Osa, bevor es nach Panama geht.