Hausmeister im Paradies

Gestern saß ich im Büro von Bolita in Dos Brazos und habe geschrieben. Es war unsäglich heiß und kaum auszuhalten, vermutlich so um die 40°C Grad im Schatten. Hinter mir lag Barbie (sie kann nicht für ihren Namen), Ron’s Hund wie ein Häufchen Elend.

Barbie ist klein und könnte eigentlich der Hund Bob Marleys sein. Ganz knuffig, aber sein Fell ist voll von Kletten und völlig zottelig. Barbie ist gerade ziemlich krank und kann sich kaum bewegen. Er oder sie bekommt Antibiotika und Flüssigkeiten kommen aus allen Körperöffnungen. Es stinkt wie die Pest, aber ich habe Mitleid mit ihr und jage sie nicht weg.

Schreiben kann hart sein, aber für meine Leser nehme ich viel auf mich.

Zwischendurch kommen ein paar Hühner vorbei, die ihre Eier völlig unkontrolliert ablegen. Zum Beispiel als ich kochte in der Ecke der Küchenzeile auf der Arbeitsplatte oder neben dem Mülleimer auf einem Haufen Plastiktüten. Eine zweite Henne flattert hoch und will am Herd vorbei auch noch auf die Arbeitsflächedas ging mir dann doch zu weit.

Eine andere Henne hat sieben Kücken, die knapp eine Woche alt sind. Sie werden langsam zutraulicher, kommen zusammen an und picken an meinen Fußzehen herum. Was wollen sie da wohl? Es fühlt sich aber sehr witzig an.

Ron und Val sind die Inhaber von Bolita und Dos Brazos ist ein Ort mit ca. 150 Einwohnern auf der Halbinsel Osa. Viele leben hier vom Goldschürfen im Rio Tigre und einige von ihnen setzen das gefundene Gold direkt in Alkohol um.

Ich war eine Woche als Gast hier und mir hat es so gut gefallen, dass ich hier gegen freie Logie etwas arbeite. Ich kümmere mich um das Haus im Regenwald, dass als Hostel dient, laufe mit der Machete rum und zerhacke alles (auf den 15 km Trails, die auf dem Riesengelände sind) oder bringe etwas Struktur auf die Webseite Bolita.org. Und zwischendurch kann man sich mal in einem der Wasserfälle erfrischen, die auf dem 61 Hektar großen Grundstück liegen.

Von Dos Brazos läuft man eine halbe Stunde bis Bolita. Man muss durch einen Fluss waten und dann geht ein kleiner Pfad mehr oder weniger steil bergauf durch den Regenwald. Die Tier- und Pflanzenwelt ist absoluter Wahnsinn und ich entdecke jeden Tag neue Dinge. Es gibt aber auch Leute, die gar nichts oder wenig sehen. Aber selbst dran schuld, man muss sehr langsam gehen und immer wieder stehen bleiben. Ich hatte aber auch Glück, dass Margrit lange hier war und sie mir sehr viel zeigte. (Du warst eine große Bereicherung)

Mein Abendprogramm besteht nach dem Kochen darin an den Teich zu gehen und nach Rotaugenfröschen, Schlangen und anderen Tieren zu sehen. Heute habe ich vielleicht Glück, denn es hat geregnet und dann sind die Frösche besonders aktiv. Der Leich, der von den Rotaugenfröschen unten an den Blättern der Palme am Teich geklebt wurde müsste jeden Tag schlüpfen. Die Kaulquappen lassen sich nach 6-8 Tagen in den Teich fallen, sofern die Froschmutter sie richtig plaziert hat oder sie nicht von einer Schlange gefressen wurden. Die Baumschlange (Cateye) ist übrigens nur schwach giftigganz im Gegenteil zur berühmt-berüchtigten Lanzenotter, eine der bekanntesten Schlange Costa Ricas.

So das wars für heute, ich habe noch zwei Stunden Tageslicht und es sieht so aus, dass ich das Haus für mich alleine habe. Kein Strom, keine schnarchenden Gäste. Im Hintergrund sitzen 3-4 Aras krächzend auf einem Baum. Jetzt schalten sich auch noch die Brüllaffen ein und bald fangen die Zikaden an. Es ist einfach herrlich.

Ich hoffe, dass Barbie und der Froschlaich überlebt.

Pura Vida

4 thoughts on “Hausmeister im Paradies

  1. hallo lieber cousin :) ,

    ich wünsch dir schöne ostern in costa rica!

    LG

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