Spiel mir das Lied vom Tod

Ich musste erstmal überlegen ob ich diesen Artikel veröffentlichen soll, um meine Familie nicht zu schocken. Aber die spannenden Dinge will ich auch nicht auslassen und sie gehören auch zur Reise.

Gestern spät Nachmittag machte ich mich mal wieder in letzter Minute auf den Weg in Richtung Bolita. Ich hatte noch eine hässliche Angelegenheit in Deutschland zu erledigen. Ein ehemaliger Untermieter von mir droht mit einem Anwalt, anstelle sich direkt mit mir in Verbindung zu setzten. Das ist sehr schade und bereitet mir gerade ziemlichen Stress zusätzlich zu ein paar organisatorischen Dingen für Panama die nicht so ganz funktionieren.

Aber gut- zur Sache:

Wie schon berichtet ist das ein 30- minütiger recht anstrengender Marsch bergauf durch den Dschungel. Man läuft aus dem 100 Seelen-Ort, quert einen Fluss und dann geht es recht steil berghoch auf einem kleinen Pfad. Später überschreitet man noch einen kleinen Bach, kommt entlang an einer steilen Wand und muss sich auch noch unter einem dicken Baumstamm durchzwängen, der irgendwann mal auf den Trail gefallen war und seitdem da liegt. Man sollte spätestens um 5:30 Uhr loslaufen, besser ist 5:15, da es um 6 Uhr dunkel ist und man im Wald eher noch weniger sieht.

Vor einigen Tagen hatte es geregnet und es war noch früher dunkel. Ich hatte keine Taschenlampe dabei und hatte unterschätzt, dass durch die Regenwolken noch weniger Licht vorhanden sein würde. Ich bin heil angekommen, aber das ganze war schon ziemlich schräg und zum ersten Mal auf meiner Reise hatte ich ziemliche Angst, dass mir was passiert. Gut, das erste Mal zelten alleine in Alaska war auch unheimlich, aber hier ist es anders. Es gibt nicht nur schöne bunte Tiere sondern auch ziemlich giftige Schlangen und die kommen bekanntermaßen raus, wenn es dunkel wird.

Gestern hatte ich meine Taschenlampe dabei und zur Sicherheit einen Stock. Solange ich noch einigermaßen gut sehen konnte ging ich schnell, danach eher langsam und hochkonzentriert. Auf dem Pfad lagen viele Blätter, Steine und Äste. Wurzeln durchzogen den Pfad auch häufig und die vielen anderen Tiere, besonders kleine Echsen, machten sich durch Rascheln bemerkbar.

Es ist immer ein Nervenkitzel und großen Respekt habe ich vor der leicht erregbaren Terciopelo-Lanzenotter, die in Costa Rica weitverbreitet ist. Ich wollte sie nicht gerne auf meinem Weg, besonders in der Dämmerung, antreffen und von den Farben und der Musterung ist sie auch sehr gut getarnt und schwer zu erkennen. Es ging alles gut und bis auf eine ganz kleine schwarze, mir unbekannte Schlange ist mir nichts begegnet. Ich erreichte völlig durchgeschwitzt das Haus, welches ich übrigens seit fast einer für mich alleine habe und es sehr genieße.

Erstmal verschnaufen, bevor ich dusche, dachte ich mir. Ich ging an der Außentreppe nach oben, um mein Handtuch zu holen und dort kam mir ein ziemlich großer hellgrüner, schöner Gecko entgegen, der sich schnell aus dem Staub machte. Ich holte meine Kamera und wollte von unten ein Foto machen. Der Gecko lief an der Außentreppe nach unten. Doch auf einmal sah ich zwei Meter vom Haus eine mindestens ca. 1,50 m große Schlange in einer Spirale liegen. Ich musste nicht zweimal hinsehen, es war die Lanzenotter, an die ich schon so oft gedacht habe und die an der markanten Dreiecksmusterung zu erkennen war.

Puh- was eine Überraschung, damit hatte ich nicht gerechnet. Mit dem nötigen Sicherheitsabstand konnte ich ein paar Fotos schießen, aber das war das Fotomodel, vor dem ich bisher den meisten Respekt hatte.

Der Gecko saß noch an dem Balken der Treppe und als hätte er es geahnt, verharrte er dort – die Lanzenotter wartete auf ein Opfer und spürte schon mit ihrer Zunge. Sollte ich Zeuge eines dramatischen Schauspiels werden? Ich war selbst hin und hergerissen zwischen Faszination, Neugier und Respekt und bemüht meinen Abstand nicht zu klein werden zu lassen. Schlangen sind sehr schnell und die Lanzenotter kann auch springen. Ich wusste gar nicht, wo ich hinschauen sollte. Auf den Gecko, die Schlange, auf die Kamera und ab und zu auch mal auf meine Füße und das was sich in deren Nähe abspielt. Ich schoss noch ein paar weiter Fotos, doch die Lanzenotter zog es vor sich langsam ins Gebüsch zu verziehen. Auf einmal hörte ich ein Geräusch und der Gecko saß auf dem Weg und es sah aus als ob er eine Wunde hinten am Kopf hatte. Er bewegte sich kaum noch und ich dachte, er sei vielleicht gebissen worden und bereits gelähmt.

Nachdem ich ihn mit dem Stock berührte und ich vorher geschaut hatte, ob die Lanzenotter wirklich weg war, machte er einen Satz und sprang ins Gebüsch.

Was ein Abend, ich hatte jetzt erstmal genug von Schlangen und beschloss an diesem Abend keinen Gang zum Teich zu unternehmen.

Zum Glück greifen fast alle Tiere, so giftig und gefährlich sie auch sind, einen Menschen nie von sich aus an und man hat nach einem Biss noch ca. sechs Stunden Zeit, um eine Antiserum zu bekommen.

In den nächsten Tagen verlasse ich Bolita und die Peninsula de Osa. mit unglaublich vielen Fotos und Eindrücken in Richtung Panama. Dies war auf jeden Fall das spektakulärste Hostel auf meiner Reise.

PS: Leider hat Barbie nicht überlebt :-(

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