Панама

- die ersten zwei Wochen:

Willkommen in Panama

Der Grenzübergang nach Панама war einer der schnellsten und einfachsten bisher. Keine Menschenaufläufe, lange Schlangen, Pusher, die dir Geld aus der Tasche ziehen wollen, keine Fragen, Stempel in Pass, bumm, fertig. So gefällt mir das.

Ich war also in Panama und da es später Nachmittag war, wollte ich auf der panamaischen Seite im Grenzort übernachten. Ich fragte mich nach einer billigen Bleibe durch und fand diese dann auch. Als ich den Preis wissen wollte hieß es 5000 Colones. Colones ist die Währung Costa Ricas und das sind umgerechnet $ 10. Das verstand ich nicht, da die Währung in Panama der Dollar ist, ich war doch in Panama? Nein, ich war bei der Suche und der Fahrt durch den Ort kurioserweise ohne es zu wissen wieder in Costa Rica gelandet.

Nach einigen Tagen Aufenthalt in David, um noch einige Dinge für Panama City zu organisieren, ging es auf der Panamericana direkt in Richtung Panama City. David gilt als heißeste Region in Panama, aber ich empfand es überall tierisch heiß und Panama ist gefühlt die heißeste Station meiner Reise. Nach einigen strapaziösen Tagen, einem weiteren Speichenbruch, Übernachtung bei der Polizei und Feuerwehr und vielen Steigungen erreichte ich die Puente de las Americas, die berühmte Brücke über den Panamakanal und Einfallstor nach Panama City.

Für mich ist sie auch Symbol für den baldigen Abschied vom nordamerikanischen Kontinent. ein weiterer Abschnitt meiner Reise. Ja, Mittelamerika gehört noch zu Nordamerikawar mir vorher auch nicht klar.

Am Tag des Erreichens der Hauptstadt gab es Dauerregen, der dann zum Glück nach lies und fast aufhörte als ich die Brücke überquerte. Ich hätte gerne in der Mitte der Brücke angehalten, um einen Blicke auf den Kanal und die vorbeifahrenden Ozeanriesen zu werfen, aber es gab weder eine Fahrradspur, noch einen Seitenstreifen. Der Bordstein war auch relativ hoch und der Fußgängerweg so eng, dass mein Rad kein Platz gehabt hätte. Auf der Seite der Gegenfahrbahn schien er etwas breiter, aber quer über die Fahrbahn mit zweispurigem starkem Gegenverkehr war mir dann doch etwas zu waghalsig, ist vielleicht eher etwas für Suizidgefährdete. Ein kurzer Blick musste genügen, es ging dann relativ steil runter vom Scheitelpunkt der Brücke und dementsprechend schnell wird man. Neben dem Verkehr und Hindernissen auf der Straße muss man sich auch stark konzentrieren, um nicht die falsche Abfahrt zu nehmen, die direkt in die „Zona Roja“die rote Zoneführt und übelstes Slumgebiet ist. Man kann auf der rechten Seite die runtergekommenen Häuser mit Müllbergen vor den Eingängen sehen- nein hier will und sollte man nicht aus Versehen reinfahren.

Hier zahlte sich mal wieder mein GPS aus, obwohl es bei den vielen Abzweigen und Brücken manchmal schwierig ist, den richtigen Weg zu nehmen. Ich hielt an und fragte sicherheitshalber ein paar Typen, die unter der Brücke saßen. Der eine hieß Alex, war sehr freundlich und hatte nur ein Bein. Er lebt unter der Brücke und hatte sein Bein im Kampf gegen den ehemaligen Diktator Noriega verloren. Alex hat sich eine Ebene direkt unter der Fahrbahn eingezogen, wo er schläft. Nachts ist es relativ ruhig dort zum Schlafen, sagte er mir. Unterstützung für sozial schwache gibt es in Panama gar nicht oder nur wenig und so ist jeder auf sich selbst gestellt.

Als ich weiterfahren wollte stellte ich fest, dass mein Vorderrad platt war- kurz vorm Ziel hatte eine große Glasscherbe meinen Reifen durchbohrt. Ich zog die Scherbe aus dem Reifen, wechselte den Schlauch. Ein anderer Obdachloser, der sich wahrscheinlich gerade eine Crackpfeife reingezogen hatte schaut mir zu und schnorrte mich an. Ich hätte ihm sowieso nichts gegeben, aber Alex der das mitbekommen hatte machte ihn zur Schnecke und der Typ verschwindet dann.

Ich verabschiedete mich freundlich, schenkte Alex eine Gummifledermaus als Glücksbringer aus meiner Lenkertasche und fuhr mit einem guten Gefühl weiter zu meinem Domizil, dem Hostal Aleman im Stadtteil Chanis.

4 thoughts on “Панама

  1. Эй Jens,
    ich wär lieber da, wo Du bist aber et kann ja nich immer Sonntag sein. Daher ist es mir ein äußerstes vergnügen ab sofort deinen Blog zu stalken!
    Dein Geheimtipp für Suizidgefährdete klingt gut ;)
    Liebe Grüße vom Niederrhein,
    Anika :)

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