Oh wie schön ist Panama?

Einkaufsrausch in Panama, Reisemüdigkeit

Ich muss mit dem Datum etwas tricksen- es kommen noch zwei Berichte-

„Oh wie schön ist Panama“ sagt der Tiger und der Bär bzw. der Autor Janosch des berühmten Kinderbuchs. Na ja, die beiden dachten ja nur sie seien in Panama. Sie hatten sich verlaufen, waren im Kreis gelaufen und irrtümlich, ohne es zu merken, wieder zu Hause angelangt. Weil sich das Zuhause verändert hatte glaubten sie sie seien in Panama.

Mit einem GPS kann einem das nicht passieren. Aber wenn man nicht weiß wo man ist, kann man durchaus denken man sei in den USA. Panama ist sehr amerikanisch geprägt, wohl auch weil die Amerikaner den Kanal gebaut haben, bis 1999 verwalteten und deshalb einen starken Einfluss auf das Land hatten. Für mich hatte es Panama sehr schwer, da ich wusste nach Costa Rica gibt es erst mal keine Steigerung. Ich wollte mir auch nicht viel ansehen und die Panam bis Panama Stadt war landschaftlich nicht besonders reizvoll. Panama war für mich die letzte Möglichkeit zum Einkaufen und Sprungbrett nach Kolumbien. Auf der Suche nach gescheiten Schuhen und Sandalen, sowie einer Luftpumpe und einem Stativ habe ich 5 „fünf“ riesige Malls und drei Fahrradläden abgeklappert. Ich habe jetzt ein Paar tolle Keen Trekkingschuhe mit einer Membran (das einzige Paar, was es in meiner Größe gab) und neue Columbia Sandalen.

Welch eine Wohltat sind gute Schuhe. Für viele unerreichbarer Luxus. Ich erinnere mich an manche Leute in Zentralamerika, die in völlig ausgelatschten und zu großen Schuhen – wahrscheinlich aus Kleiderspenden der USA – rumliefen. Meine ungeliebten Jack Wolfskin Schuhe, die am Auseinanderfallen waren kommen endlich in die Tonne. Eine neue Isomatte wollte ich mir auch kaufen, aber keine Chance etwas gutes zu bekommen. Meine „Big Agnes Mummy“ ist zwar klein und leicht, aber sie ist für mich nicht sehr bequem und das Aufblasen nervt auch. Hätte ich mir nur in San Francisco die teurere Thermarest geleistet.

Aber hinterher ist man immer schlauer und im Rückblick hätte ich bei einigen Ausrüstungsgegenständen eine andere Wahl getroffen. Eine gute Rahmenpumpe bekomme ich auch nicht, deshalb kaufe ich mir eine kleine Notfallpumpe und versuche meine Parkttool Pumpe zu reparieren. (das Plastikgewinde des Griffs ist eingerissen)

Panama Stadt ist im Prinzip schnell angeschaut, die Highlights sind der Kanal, Casco Viejo -die Altstadt und Panama Viejo, das ganz alte Panama, welches von dem Piraten Henry Morgan völlig zerstört wurde. Vielleicht gibt es noch etwas mehr, aber viel Kultur hat Panama nicht zu bieten. Trotzdem bin ich über drei Wochen im netten Hostal Aleman bei Carola, Uwe und Patrick geblieben.

Flicken, reparieren, ersetzen – meine Liebe zu den Dingen

Ich habe auf Ersatzspeichen aus Deutschland gewartet, die per Eilbrief dann doch fast drei Wochen unterwegs waren (Vielen Dank an dieser Stelle an meine Schwester und Radschlag- was würde ich ohne euch machen?). Mein Zelt hat neue Reißverschlussschieber bekommen. (Hilleberg hat einen erstklassigen Service. Ich hatte ihnen eine E-mail geschrieben, bekam sofort eine Antwort und am nächsten Tag waren die Teile schon unterwegs). War aber ein ziemliches Gefrickel diese auszutauschen und alleine das Auftrennen der Nähte hat ewig gedauert. Hier kann man aber auch sehen, wie exklusiv das Zelt verarbeitet ist. Es ist wirklich prima wenn man unterwegs ist und sich auf jemanden verlassen kann.

Seit David/Panama bin ich auch stolzer Besitzer eines Kindle (eines elektronischen Buches) und habe damit für die nächsten 10 Jahre Lesestoff. Ich hatte es Anett und Gabor dort abgekauft und kann jetzt etliche Bücher lesen ohne zusätzliches Gewicht und Platz zu verbrauchen. (Begeistert verschlinge ich Siddtartha von Herrman Hesse- was ein klasse Buch)

Meinen Schlafsack habe ich waschen lassen, den hatte die hohe Luftfeuchtigkeit auch mitgenommen und ich hatte befürchtet er wäre nicht mehr zu gebrauchen. Dann hätte ich ein Problem gehabt, aber es sieht gut aus und er riecht wieder frisch und nicht mehr nach Keller. Ich habe aber die leichte Befürchtung, dass er für die extremen Minustemperaturen in den Anden nicht ausreicht, aber mal sehen. Mein Rad hat mal wieder richtig viel Zuwendung bekommen- es blitzt wieder und hat jetzt eine neue, selbstgebaute und bessere Schutzblechhalterung. Zum Schutz vor dem aggressiven Salzwasser bekam es eine Schutzschicht Amorall für die Überfahrt nach Kolumbien. Ja, ich habe eine sehr enge Bindung zu meinem Rad, fast eine neurotische Liebe, kann kaum ohne es schlafen.

Vielleicht sollte ich ihm/ihr einen Namen geben? Vorschläge nehme ich gerne entgegen.

Nach drei Wochen kann ich mich immer noch nicht loseisen im Hostal Aleman und verschiebe meinen Abschied täglich.

Ist es die Lethargie, die bei ständigen Temperaturen jenseits von 30 Grad entsteht, das gute Frühstück, das schleichende Gift der Bequemlichkeit, Angst vor dem Unbekannten – den Anden, Reisemüdigkeit? Oder liegt es daran, dass man unter Deutschen im Hostel Aleman unbeschwert in Unterhosen rumlaufen kann? Ich weiß es nicht.

Irgendwann war dann aber alles erledigt und auf Dauer wollte ich auch nicht in Unterhosen rumlaufen. Ich hatte meinen Fahrradreiseführer zerschnitten (ist jetzt nur noch ein Drittel so schwer), ein kleines Päckchen zum Nachhauseschicken vorbereitet, dass Daniela (Du bist super- vielen Dank) liebenswürdigerweise mit nach Deutschland genommen hatte und an meine Familie geschickt hatte.

Am 2. Juni verlasse ich das Hostal Aleman in Richtung Karibik.

Ein Gedanke zu “Oh wie schön ist Panama?

  1. das ist aber schön, dass du jetzt herrman hesse entdeckst:) ! habe damals alles von ihm geliebt! lgs

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