Ein kleiner AbstecherA little side-trip

Rückkehr zu guten Freunden nach San Francisco

Letztes Jahr verbrachte ich meinen Geburtstag in Xela. Weihnachten und die Jahreswende waren auch etwas einsam am Lago de Atitlan. Ein Nabenbruch am Hinterrad verlängerte meinen Aufenthalt dort in San Pedro. Mit einem Fläschen Whisky und einem Bin Laden-Kracher beschenkte ich mich, dieser sorgte dann allerdings für ein zweistündiges Fiepsen in meinem Ohr….(Kracher in Guatemala sind wesentlich stärker!!!)

Der Wunsch die Weihnachtszeit mit guten Freunden zu verbringen und nach einer neuen Hose haben mich dazu bewogen meine Freunde Ron und Victoria mit ihren Kindern Lila und Eden in San Francisco zu besuchen.

Mustang an der Golden Gate Bridge

Aus einer fixen Idee und einer Einladung wurde dann Wirklichkeit und ich flog am Tag bevor mein Visum in Kolumbien auslief nach San Francisco. Vor genau zwei Jahren bin ich dort mit dem Rad vorbeigekommen und fast zwei Jahre bin ich schon in Lateinamerika. Es war ein eigenartiges Gefühl zurückzukehren. Ich freute ich mich meine Freunde und die Kinder wiederzusehen, auf gemeinsamen Aktivitäten wie Krabben fangen und Feste feiern.

Ich hatte aber auch Bedenken, dass es bei der Immigration Problem geben würde. Zum einen weil ich aus Kolumbien komme und zum anderen weil ich 2011 wegen meiner Krankheit meinen Aufenthalt überzogen hatte.

Die Bedenken waren unbegründet, es verlief alles sehr geschmeidig und ich wurde noch nicht mal gefilzt. Ron holte mich am Flughafen ab und es war ein schönes Wiedersehen mit der Familie. Fast alles war beim alten, nur ein neuer Mitbewohner -Ponyo- knurrte und bellte mich an.

Am kommenden Tag stürzte ich mich gleich ins Getümmel in der Mission Area, dem Latinoviertel von San Francisco mit etlichen Restaurants, Fahrradläden, Cafés, Design-, und Szeneläden.

Überrascht war ich von der Vielfalt, der Menge an Dingen und einer Ästhetik, die ich lange nicht gesehen habe. In Lateinamerika tragen 90 % der Frauen das gleiche, High-Heels, enge Jeans und enge Oberteile. Die meisten (jüngeren) Männer Turnschuhe, Jeans und ein Hollister, Aeropostale oder FC Barcelona T-Shirt.

Schön mal wieder was anderes zu sehen. Es ist viel sauberer, keine schwarzen Rußwolken aus uralten Fahrzeugen die die Luft verpesten. Die Autos halten am Zebrastreifen an. Wenn du über die Straße willst wird nicht gehupt und du musst nicht ständig auf der Hut sein und Angst haben überfahren zu werden. – Sehr ungewohnt.

San Francisco ist besonders für Vegetarier ein kulinarisches Paradies, hier gibt es alles aus allen möglichen Ländern in das oft in riesigen Mengen. Es ist irritierend wenn man das nicht mehr kennt und bedenkt dass in den meisten Ländern in denen ich zuletzt unterwegs war, viele Menschen in Bretterbuden mit einem Dach aus Plastikfolie leben und mit Mühe und Not über die Runden kommen. Wer mit dem Überleben beschäftigt ist, hat für Kultur und Design wenig Sinn.

Weihnachten und die damit oft verbundene Konsumorgie in westlichen Ländern ist natürlich auch ein Extrem, wenn man lange in Lateinamerika war und damit plötzlich konfrontiert wird. Für mich war dieser Überfluss und diese Mengen zunächst eine Art Schock. Mit meinen Freunden war ich zu verschiedenen Weihnachtsfeiern bei netten Menschen eingeladen. Es gab Unmengen zu essen und zu trinken, für meine Verhältnisse fast zu viel. Vor allem die vielen Geschenke, mit denen die Kinder überhäuft wurden, sowie 7-8-jährige Kinder, die mit I-Phones ausgestattet waren, fand ich verstörend.

Ich konnte mich dem Konsumrausch aber auch nicht völlig entziehen und ging mehrmals zu meinem Lieblings-Outdoorladen „Sports Basement“. Hier gab es alles in etlichen Variationen, was sonst nur sehr schwer oder gar nicht südlich der US-Grenze zu bekommen ist. Nach 2,5 Jahren habe ich mir endlich mal wieder eine neue Hose, einen Pulli und viele nützliche Dinge – wie eine Daunenweste und ein paar lange Tights- auch für die zukünftigen kalten Nächte im Zelt in den Anden gegönnt. Auch ein Moskitonetz, was ich oft in vielen Unterkünften vermisst hatte besitze ich nun, sowie neue Packsäcke und eine andere Isomatte (die dritte und hoffentlich letzte auf dieser Reise). Mein Kindle E-book hat jetzt eine passendes Cover und für meine Kamera kaufte ich ein Reisestativ, was allerdings ein ziemliches Pfund ist und 1,2 kg wiegt. (das kleine Gorillapod Stativ – ein Abschiedsgeschenk von Judith und Peter war auf Dauer doch etwas schwach und begrenzt für meine Kamera hat aber bisher ganz gute Dienste geleistet)

Obwohl ich ein paar Dinge weggebe, weiß ich noch nicht wie ich die zusätzlichen Dinge verstaut bekomme. Mit jedem Gegenstand habe ich gehadert und abgewogen ob es wirklich nötig sein wird. Es wird sich zeigen und ich werde die zusätzlichen 2-3 kg vielleicht an der nächsten schwierigen Steigung verfluchen. Zur Not, so mein Gedanke, kann ich aber immer wieder was loswerden.

Weiter Highlights waren ein Besuch im Aquarium in Monterey, nicht billig, aber das vielleicht beste Museum was ich jemals besuchte. Bootsy Collins, eine Funklegende, war zufällig in San Francisco und das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Ein Konzert, was mich noch tagelang in einen Funkrausch versetzte. Zu guter Letzt gab ich noch zwei Dia Shows, eine in Lilas Schule, die andere bei meinem Lieblingssportgeschäft. Beides hat Spaß gemacht und zur Belohnung bekam ich noch einen Geschenkgutschein.

Die Golden Gate Bridge hatte ich diesmal zu Fuß überquert und es ist immer wieder ein erhabenes Gefühl auf diesem magischen Bauwerk zu sein und den Blich auf die Bay Area zu werfen.

Die drei Wochen gingen sehr schnell rum, Ponyo hatte sich nach langer Zeit an mich gewöhnt und am Tag vor meiner Abreise nicht mehr gebellt und geknurrt. Schweren Herzens verabschiedete ich mich von meiner temporären Familie und begab mich am 3.1 wieder in den Flieger nach Bogotá.

One thought on “Ein kleiner AbstecherA little side-trip

  1. Привет Jens – hope you’re not suffering too much reverse culture shock being back in Colombia?! Wondered how far south you had gotwe are currently in San Agustin then headed for Mocoas and Pasto via the infamousTrampoline”…our visa expires at the end of February so we’re going slow. Drop us an email if you’re anywhere near us, otherwise we might meet further south! Suerte, James & Sarah

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