Ich will raus! (aus Cali)

Streik und Unruhen in Kolumbien, Whirlpool statt Salsa

In Kolumbien wird seit knapp zwei Wochen landesweit gestreikt. Viele Fernstraßen und somit wichtige Versorgungswege sind blockiert, manche Lebensmittel sind bis zu 100 % teurer geworden oder in einigen Landesteilen gar nicht mehr zu bekommen. Ein Grund für den Streik sind gestiegene Kosten für die Bauern und gleichzeitiger verstärkter Wettbewerb durch mehrere Freihandelsabkommen. (z.B. mit USA und Europa)

Anscheinend werden Bauern in Kolumbien gezwungen nur noch zertifiziertes Saatgut zu benutzen z.B. genverändertes Monsanto Saatgut. Monsanto ist der berühmt-berüchtigte US Agrochemiekonzern, der auch schon das im Vietnamkrieg eingesetzte Agent Orange herstellte. Auch verdiente Monsanto Millionen durch den Verkauf eines Herbizids, was in Kolumbien zum Einsatz gegen Coca-Pflanzungen kam. Es hatte jedoch fatale Folgen für die Umwelt und damit auch für die Gesundheit und Lebensgrundlage von vielen Bauern. (Mehr lesen zum Plan Colombia)

Meine Gastgeber Indre und Marcelino haben mir aus Sicherheitsgründen geraten noch solange in Cali zu bleiben bis der Streik vorüber ist. Ein Teil von Cauca, das Departamento südlich von Cali, gilt als die gefährlichste Ecke Kolumbiens und ist ein rechtsfreier Raum, kontrolliert von Guerilla und Paramilitärs.

Viele Kolumbianer sind in diesem schmutzigen Konflikt umgekommen oder aus Angst um ihr Leben geflüchtet. Im ganzen Land gibt es Millionen der sogenannten „Desplazados“, Vertriebene von Paramilitärs oder Guerilla, die heute unter ärmlichsten Verhältnissen meist in Randgebieten der Großstädte leben.

Die Paramilitärs oder Guerilla nehmen sich teilweise einfach Land, um darauf Drogen anzubauen. Auch werden Paramilitärs von Konzernen bezahlt um die Bewohner zu vertreiben, falls es Rohstoffe gibt oder wirtschaftliche Interessen das Land wertvoll erscheinen lassen. Die Bewohner werden oft bedroht und eingeschüchtert. Wer Widerstand leistet muss damit rechnen ermordet zu werden. Mit den „erwirtschafteten“ Geldern wird der Bürgerkrieg weitergeführt.

>Hier kann man ganz konkretes bei Amnesty erfahren und auch helfen<

Wohl um die derzeitigen Proteste unter Kontrolle zu bringen orderte Präsident Santos vor ein paar Tagen 50.000 Soldaten ab, um die Polizei zu unterstützen. Bei dem Streik gab es bisher zwei Tote, hunderte Verletzte und gewaltige Schäden durch Zerstörung und Folgen der Straßenblockaden.

Kolumbien stehen noch gewaltige Aufgaben bevor.

Warten

Marcelino baut gerade einen Whirlpool, ich helfe ihm dabei.

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Marcelino beim Dekorieren

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Alles Handarbeit

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Ricardo ist auch einer der vielen Opfer des bewaffneten Konflikts. Er verließ seine Finca um zu überleben.

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Oscar zementiert das letzte Stück

Ich hoffe dass sich die Lage schnell beruhigt, die Konfliktparteien einen Kompromiss finden und ich in Kürze weiterfahren kann.

Ein Gedanke zu “Ich will raus! (aus Cali)

  1. …zu….Anscheinend werden Bauern in Kolumbien gezwungen nur noch zertifiziertes Saatgut zu benutzen z.B. genverändertes Monsanto Saatgut….. mensch leute das ist doch echt der hammer jetzt…jetzt reicht es aber!!!!!!!!was machen wir jetzt?

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