Die Königsetappe und das Stinktier

Nach ein paar Tagen mehr oder weniger, üblen Wetters (unter anderem Hagel) ist es wieder traumhaft schön. Trotzdem ist es nachts oder wenn die Sonne nicht scheint, besonders kalt, vor allem wenn der Wind bläst. Dafür sind wenig Touristen unterwegs, was auch weniger Verkehr bedeutet. Die State Parks sind dementsprechend wenig besucht und manchmal habe ich den Park mehr oder weniger für mich alleine – zumindest bin ich der einzige, der zeltet. Gestern habe ichLulu und Marlo in einem State Park kennengelernt und eine kleine Einführung im Pilze sammeln bekommen. (Es gibt hier sehr viele Pilze und leider kenne ich mich (noch) nicht damit aus) DSC03077

Die Westküste ist insgesamt sehr beeindruckend und landschaftlich wunderschön. Aber es gibt immer wieder Steigerungen und besonders beeindruckt hat mich Sonoma County – hier ist einfach atemberaubend schön und hinter jeder Abfahrt und Steigung zeigt sich die Natur wieder in einem neuen Gewand. Die sanfte Hügellandschaft ist jetzt überwiegend von Gras bewachsen, ständige Begleiter sind die Raubvögel, die über mir ihre Kreise ziehen und nach Beute Ausschau halten, Kühe grasen am Highway 1. Wenn das Meer nicht wäre, könnte man denken man ist im Allgäu.

Hier ist für mich der bisher schönste Abschnitt an der Küste. Der Highway 1 gehört zu den schönsten Küstenstraßen der Welt und hier ist das Konzentrat.

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Nach ein paar Tagen mit kleinen Etappen, bin ich heute mal wieder relativ früh gestartet um wieder ein paar Kilometer abzuspulen. Sich bei Temperaturen um die 0 Grad sich aus dem Schlafsack zu pellen kostet schon Überwindung, aber meine Isomatte, die nach ca. 2 Stunden relativ platt ist, ermuntert mich zusätzlich aufzustehen.

Hinter einem kleinen Ort treffe ich mal wieder ein paar Radfahrer, die in meine Richtung fahren. Will, Scot und Nate tragen lange Unterhosen und weite Schlabberturnhosen darüber und haben eine Panne. Wir unterhalten uns und sie wollen am Point Reyes Station Beach zelten und laden mich ein. Ich schließe mich der Gruppe an und wir fahren gemeinsam weiter. Es ist nicht mehr allzu weit bis Point Reyes Station, der Sonnenuntergang über der Tomales Bay taucht alles in ein rosafarbenes Licht, es ist eine Augenweide.

In Point Reyes Station angekommen stellt sich dann heraus, dass es nochmal 20 km bis zu dem Beachcampground ist. Puh -Wir hauen uns zum Glück im Ort noch etwas zu essen rein und das war gut so. Es folgte ein 250 Meter Berg mit einer langen Steigung, einer 17 % Abfahrt, anschließend noch ca. 3 km unbefestigter Weg, der auch noch an einer Stelle überflutet war und ich beim Versuch vorbeizukommen meinen Schuh im Matsch versenkt habe, teilweise Sandpiste … geteiltes Leid = halbes Leid. Ich musste dann einfach nur lachen, es kann nicht viel schlimmer werden.

Nach fast 100 km Strecke habe ich heute meinen Tageshöhenmeterrekord mit 2045 Höhenmetern erreicht. Ein kurzer Jubel bei der 2000 Meter Marke und wir sind endlich am Ziel.

Schnell trockene Socken anziehen und warme Klamotten, Zelt aufbauen und als Belohnung habe ich mir ein leckeres Risotto gekocht. Die Jungs haben Fertigessen vertilgt und waren dann schon relativ bald im Zelt, weil es so kalt war.

Ich hatte dann mein Topf so halb leer gegessen als plötzlich ein Stinktier auftauchte. Bisher kannte ich diese Kreaturen nur aus Comicheften und habe sie mir auch wesentlich kleiner vorgestellt. Das Vieh kam dann langsam näher und ließ sich auch nicht verscheuchen. Es war auch ein ziemlicher Brocken und wenn du eine Ladung von ihrem Sekret abbekommst, kannst du dich eine Woche lang nirgendwo blicken lassen. Muss also äußerst unangenehm sein und wahrscheinlich weiß das Biest das auch.

Stress, was mache ich nun. Nein, wenn es ums Essen geht, kämpft der Radfahrer bis aufs Letzte. Ausreichend essen am Abend ist wichtig für den nächsten Tag, vor allem wenn man die 17 % Steigung und diesen Berg wieder hoch muss. Das habe ich schon dreimal erlebt. Zu wenig gegessen und der nächste Tag zieht sich wie Kaugummi und du hast das Gefühl es geht gar nichts, jeder Kilometer Quälerei, keinen Punch in den Beinen.

Wie vertreibe ich also diesen unangenehmen Zeitgenossen und beschütze meine Lebensmittelvorräte?

OKich habe noch mein Bärenspray und könnte das Vieh sozusagen mit den eigenen Waffen schlagen. Gedacht, getan. Der Wind stand günstig und ich ziele auf den Eindringling – eine orange Wolke kommt aus der Dose und stoppt das Vieh erst mal. Kurz später hat es sich dann verabschiedet. Die Jungs beobachten das Szenario aus dem Zelt. Nachdem ich dann überall durch den Schein meiner Taschenlampe, Augen habe leuchten sehen und einige Waschbären, die anscheinend genauso hungrig sind wie ich, habe ich dann mein Mahl abgebrochen und schnell alles eingepackt und in die zum Glück vorhandenen Blechcontainer verstaut.

Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende. Morgen geht es nach San Francisco und die Etappe ist auch nicht wesentlich leichter, aber es warten ein paar Ruhetage, eine Dusche und ein Bett auf mich – ein Traum!

3 thoughts on “Die Königsetappe und das Stinktier

  1. Also während DU in der California sun ´rumhängst, haben wir uns jetzt endlich um Winterreifen gekümmert….jetzt sind alle zufrieden :-))
    dicken Knutsch von der Jule

  2. Эй Jens…ich vergaß ja ganz dass du in USA unterwegs bist..habe gerade deine geschichte mit dem stinktier gelsesén
    war es gut für dich in San Fransico==?? In der Nähe von San Fransico gibtt es so eine Art Lebensgemeinschaft und nennt sichCamp Joyvielleicht hörst du was davones ist sehr schön dort,,,ich war mit Maderu mal dort kurz auf Besuch, weil unsere Freundin Gudrun damals dort einige Zeit war….

    Ich grüpße dich und werde mal immer wieder lesesnlovley greetings and a hug

    ciao
    nirava

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