Winde in Orkanstärke und erster Speichenbruch

In Juchitán gab es dann doch nichts weiter zu entdecken, außer dass es genauso warm war wie am Vortag. Mein nächstes Ziel war San Cristóbal in den Bergen von Chiapas und ich wollte es möglichst schnell erreichen und ein paar lange Etappen einlegen.
Zunächst ging es am Isthmus auf der Panamericana relativ flach durch riesige Felder mit Windkraftanlagen dahinIsthmus of Tehuantepec. Dafür pfeifte der Wind hier teilweise in Orkanstärke, dass es mich einmal fast vom Rad gefegt hat und ich anhalten musste. Auch das Öffnen der Lenkertasche war hier eine Herausforderung. Etwas hungrig und lechzend nach einem kalten Getränk (Cola!!!) legte ich nach 50 km eine Pause ein und als ich mein Rad abstellte machte es „Zong“ und gleichzeitig „Pffft“mein erster Speichenriss (trotz 2,3 – 2 mm Strong-Speichen) bei Kilometer 11.101 und gleichzeitig ein Platter am Hinterrad. Na super!

Zum Glück war ich gerade in einem kleinen Ort an einem Restaurant, konnte mich erstmal stärken und hatte Schatten und einen Tisch für die Reparatur. Die Mexikaner sind ja sehr entpannt und so konnte ich mein Rad entladen und die Reparatur in dem Restaurant durchführen und gleichzeitig den anderen Gästen und dem Besitzer eine kleine Lehreinheit in professioneller Radreparatur geben. Da die Speiche am Hinterrad auf der Zahnkranzseite gerissen war, musste ich zuerst den Zahnkranz mit dem Kassettenwerkzeug NBT-2 von Gerritsen & Meijers, ein prima Werkzeug für die Reise, entfernen, bevor ich die neue Speiche einfädeln konnte. Funktioniert hervorragend und kann ich sehr empfehlen!!!

Nach 1,5 Stunden, 2 Mückenstichen, 3 Cola, 5 bar auf den Reifen und nach Belehrung über die 12 Apostel (OK, ich habe nicht so wirklich viel verstanden) durch den sehr gläubigen Wirt und freundlicher Verabschiedung konnte ich dann weiter fahren.Hasta Luego Die Reparatur war so anstrengend wie 20 km Radfahren.

Am nächsten Tag ging es dann wieder in die Berge und so fand ich den tropischen Regen, der mich am Anstieg völlig durchnässte sehr angenehm, da er mich schön abkühlte. Ab und zu mal das Trikot und die Handschuhe ausgewrungen und weitergefahren, Kunstfaser trocknet zum Glück sehr schnell und wärmt auch, wenn sie nass ist.
Irgendwann nach knapp 120 km erreichte ich die Hauptstadt des Bundesstaates von Chiapas, Tuxtla Guitiérrez. Sie liegt auf nur ca. 520 m Höhe und hat, neben viel Verkehr, Stau, ständig hupenden Autofahrern und einer Kirche mit Flachbildfernsehern, nicht viel zu bieten.
Außerdem ist sehr warm hier und kühlt auch nachts kaum abTuxtla kann man sich schenken.
OK, es gab eine gute Pizzeria , die aber ihren Gastraum noch zusätzlich aufheizte, indem der Abzug ihres Pizzaofens, der mitten im Raum stand 30 cm über dem Ofen endete. Pizza essen kann sehr anstrengend sein.
Auch war mein Hostel (Hotel-Hostal San Miguel) sehr nett und sauber, aber ich war dann froh wieder weiterzufahren.