Nach eine schweren Bergetappe in der Welt der Maya

Die nächste Etappe ist immer die schwerste. Nicht immer, aber das trifft auf jeden Fall auf die Strecke von Tuxtla Guitiérrez nach San Cristóbal de las Casas zu.

Die ersten 20 km geht es noch gemächlich zu, aber dann geht es in den Berg, 50 km nur bergauf. Chiapas-10Ab 1000 m weht dann aber ab und zu wieder ein Hauch von einem kühlen Lüftchen und je höher, desto kühler wir es. Für ein paar Meter Schatten fahre ich auch auf der Gegenfahrbahn, egal es ist warm – sehr warm. Von den Kilometern komme ich kaum voran, mein Höhenmesser motiviert mich und ich stecke mir 200 Meter Etappen. Ich will es bis San Cristóbal schaffen und das liegt auf 2100 m Höhe. Da ich erst um 10:30 Uhr losgefahren bin, wird es knapp und ich möchte auf jeden Fall vor Einbruch der Dunkelheit am Ziel sein. Ich habe ganz „gute Beine“ (Radfahrersprache) und bin ganz gut in Form und so fahre ich ohne längere Pausen durch.

Auf 1800 m kommt dann ein kleiner Stand und ich gönne mir eine kurze Pause, es hat geregnet und ich bin durchgeweicht. Wasser aufgefüllt, Socken und Handschuhe ausgewrungen, ein paar Tostadas reingehauhen und weiter, die Zeit wird knapp.

Die Landschaft ist einfach wunderschön und hinter jeder Ecke eröffnet sich ein neues, wunderschönes Panorama – es macht Wahnsinnsspaß hier zu fahren und das ist neben den Höhenmetern die Hauptmotivation.

Die Menschen, die hier leben, sind hauptsächlich Mayas und sprechen unter anderem Tzotzil. Spanisch können viele gar nicht oder lernen es nur als Zweitsprache. Es ist schon eine ganz eigene Welt hier und ich fühle mich schon teilweise wie ein Außerirdischer mit meiner Hightech-Ausrüstung. Insgesamt sind viele Leute hier etwas reservierter und grüßen nicht mehr so häufig zurück, wie bisher. In Chiapas hörte ich zum ersten Mal in Mexico Gringo- Rufe. Trotzdem ist es überwiegend freundlich und ich fühle mich sicher.

Auf 2100 m Höhe kommt hinter der nächsten Kurve noch eine Steigung und es wird dann schon zäh. So komme ich dann doch nach etlichen Ecken noch auf über 2400 m Höhe und es wird langsam dunkel. aber ich sehe von hier aus einen fantastischen Sonnenuntergang.Chiapas-13 Im letzten Ort vor San Cristóbal ist es dann schon dunkel und ich habe immer noch fast 15 km zu fahren. Es gibt noch ein paar Kohlehydrate und irgendwann muss es auch mal runter gehen. Das Erreichen des Zieles ist zu verlockend, deshalb fahre ich trotz Dunkelheit weiter, es geht die letzen 8 km bergab.

Gegen 21 Uhr erreiche ich nach 7:40 Stunden reiner Fahrzeit San Cristóbal. Nach 87 Kilometern, 和 2321 Höhenmetern – mein bisher absoluter Bergrekord. Ich fühle mich wie der Gewinner einer Bergetappe bei der Tour de France.

San Cristóbal ist wunderschön, vielleicht meine Lieblingsstadt in Mexico. Eine gute Mischung aus Touris, Indigenas und anderen, nicht zu groß, abends schön kühl, es gibt hier viel zu sehen und leckeres Essen – auch eine französiche Bäckerei mit den besten Leckereien und Brot seit laaaaaaanger Zeit. Viele sind hier schon hängengeblieben. (mmhh???) Ich habe mal wieder ein paar super Warmshowersgastgeber und fühle mich wohl. „Soll ich hier bleiben“, sind Gedanken, die mir in den Kopf kommen?

Wir haben einen Ausflug nach Chamula unternommen und der Besuch der dortigen Kirche war einer meiner eindrucksvollsten Kirchenbesuche überhaupt. Du betritts eine Kirche ohne Bänke, der Boden ausgelegt mit Kiefernnadeln, hunderte Kerzen, weihrauchgeschwängerte Luft – eine irre Atmosphäre. Hier vermischt sich christlicher Glaube mit der Naturreligion der Indigenas. Die vielen Apostel, die an den Wänden in Glasvitrinen zu sehen sind, sind in traditionelle Trachten eingehüllt. Hühner werden hier geopfert, Geister beschwört oder ausgetrieben, es ist etwas ganz besonderes hier dabeisein zu dürfen.

Dieser Besuch war definitiv eines meiner kulturellen Highlights in Mexico!

2 thoughts on “Nach eine schweren Bergetappe in der Welt der Maya

  1. Hallo Jens Wenn ich das lese, habe ich immer den Eindruck, das schreibt jemand völlig anderes. Es ist der Wahnsinn was du da erlebst und leistest. Ich muss mich dann immer kneifen, das ich weiss, dass du das bist. Alles Liebe und Glück der Welt auf deiner Tour. Holger

  2. Mannomann! Du hast ja Recht, dass SanCris eine der tollsten Städte istfinde ich auch. Aber diese ganze Strecke in einem Tag?? Respekt. Bist mittlerweile schon einHartergeworden, oder?

    Hey Jens! Schön zu lesen, dass du jetzt in Chiapas bist. Wünsche dir ganz viel Spaß und ich könnte gut verstehen, wenn San Cristobal dich noch ein bisschen länger da behält als geplant.

    Hast du Bilder vom Inneren der Kirche gemacht? Ich weiß, ist verboten (und wir haben uns daher auch nicht getraut), aber ich hätte schon gerne eins.

    Schöne Grüße aus der Spohrstraße (wir haben hier auch gerade Regenzeit)

    Frank

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